Die "Beruhigungszelle" Nummer 2007 im Abschiebegefängnis Eisenhüttenstadt (2003) Ich möchte detailliert darüber berichten, was mir hier in Abschiebehaft in Eisenhüttenstadt passierte. Es gibt einen Raum, sie nennen ihn Beruhigungszelle Nr. 2007. Ich war dort mehrere Male eingesperrt, aber die letzten drei Tage waren die schlimmsten. Ich wurde am Mittwoch in die Zelle gebracht und dort 2,5 Stunden (tatsächlich 5 Stunden und 15 Minuten, ARI) gefesselt. Es ist ein flaches Gestell, das beheizt ist, und es ist umgeben von einem Metallrahmen. Sie bedecken das Metall mit Plastik und kleben es mit Klebeband ab. Wenn sie jemanden fesseln, benutzen sie verschieden lange Gurte von der Firma "Segufix". Sie binden deine Hände und deine Beine weit auseinander. Ein Gurt kommt um den Leib. Manchmal binden sie auch die Gurte von den Oberarmen mit dem Gurt um den Leib zusammen, so daß du gar keine Kraft mehr hast. Als sie mich fesselten waren sie zu sechst. Drei Sicherheitsbeamte und drei Beamte von der Ausländerbehörde – einige halten dich unten, andere fesseln dich. Wenn sie denken, daß man jetzt ruhig genug ist, bringen sie dich in die Zelle gegenüber (Zelle Nr. 2008, ARI). Am Donnerstag war ich außer Kontrolle und zerbrach eine Tasse. So brachten sie mich von 9 bis 21 Uhr wieder in die Zelle Nr. 2007 zurück. Das war das Schlimmste von allem. Sie fesselten meine Arme und Beine so fest, daß mein Blut nicht mehr zirkulieren konnte. Sie holten eine Krankenschwester, die gucken sollte, ob sie es nicht zu eng schnallten, und sie meinte, es sei okay. Nach einer Stunde spürte ich meine Beine nicht mehr. Sie kamen zurück, machten meine Beine los und machten warme Wadenwickel, damit das Blut wieder zirkulieren konnte. Nach einer weiteren Stunde machten sie auch meine Hände los, die ich schon nicht mehr spüren konnte, und sie sagten mir, daß ich aufstehen solle. Ich lag die ganze Zeit auf dem kahlen Fußboden ohne Matratze. Danach brachten sie mir eine und fesselten meine Beine wieder so fest. Mein Körper war aufgerichtet. Sie brachten mir Mittagessen und
gingen wieder. Danach duschten sie mich, und eine Frau ohrfeigte mich so
hart, daß ich blutete, weil ich frech zu ihr war. Danach fesselten
sie mich wieder in aufrechter Haltung,
Es war mir nicht erlaubt, jemanden anzurufen oder Telefonate zu empfangen.
Es war mir nicht erlaubt, mit den anderen Häftlingen zu sprechen.
Es war mir nicht erlaubt, den einstündigen Hofgang zu nutzen. Sie
brachten mich diesen Morgen
Sie nennen mich „die Schwarze", und sie kamen und fragten lachend, ob ich mich jetzt gut fühlen würde. Ich verstehe jetzt, warum Menschen sich überlegen, sich umzubringen
in diesem Knast. Mir fehlen die Worte, die Unmenschlichkeit zu beschreiben,
die hier jeden Tag herrscht. Es ist einfach unglaublich.
Auszüge aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen
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